Erinnerungen von Peter Reitmeir
Ob sich die Gründer des Tiroler Volksmusikvereins, Herma Haselsteiner und Sepp Landmann, wohl vorgestellt haben, wie der Verein nun nach 40 Jahren aussieht? Am 9. Dezember 1966 wird bei der Vereinsbehörde derTiroler Volksmusikverein, Verein zur Pflege des Volksliedes und der Volksmusik angemeldet. Am gleichen Tag findet ein Innsbrucker Adventsingen im Norberti-Saal des Stiftes Wilten statt, gestaltet von Norbert Wallner. Kurz nach der Gründung ergeht ein Rundschreiben an alle Volksmusikfreunde.

Ich blättere in dem Ordner mit den Sitzungsprotokollen und dem Briefverkehr und viele Erinnerungen werden wach.
1966: Im Radio höre ich von der Gründung des Vereins. Beim ersten Tirolerisch Bayerischen Sängertreffen im Innsbrucker Stadtsaal bin ich dabei und bin begeistert von den Geschwistern Röpfl, den Schönauer Musikanten, den Brüdern Rehm, den Jagerhäusl Dirndln, den Stanglwirts-Buam, den Tuxer Sängern, den Alpbacher Sängern und Musikanten und vielen anderen, vor allem aber vom Sprecher Sepp Landmann. Viele derartige Veranstaltungen folgen im Lauf der Jahre.
Ich erinnere mich an das erste Tiroler Adventsingen am 16. Dezember 1967 im Stadtsaal. Rund 100 Sänger und Musikanten werden aufgeboten. Heuer findet es bereits zum 40. Mal statt.
Die ersten von Norbert Wallner und Toni Katschthaler gestalteten Tiroler Liederblätter werden veröffentlicht.
Die Sendung des Tiroler Volksmusikvereins In der Bauernstubn im Radio Tirol wird jeden 4. Samstag im Monat zum Pflichttermin. Vorher gab es schon das Wunschkonzert für Volksmusikfreunde, ebenfalls von Sepp Landmann und Herma Haselsteiner gestaltet. Für mich heißt es, mit dem Tonbandgerät zu warten und vor allem neue Harfenstücke aufzunehmen.
1971 geht Herma Haselsteiner daran, die Tiroler Volksmusik auf Schallplatten zu dokumentieren. Heute sind dies wertvolle Dokumente. Bei der Weihnachtsplatte Mander von Silber und Gold darf ich mitwirken.
Im Jahr 1972 hat der Verein bereits rund 300 Mitglieder.
1973 übersiedelt das Tiroler Adventsingen in das neue Kongresshaus. Auch dieses Mal darf ich mit meinem Freund Wolfgang Schafferer im Harfenduo mitspielen.
Im März 1974 trete ich dem Verein bei und komme gleich in den Vorstand.
Im gleichen Jahr gründet Josef Sulz eine der wichtigsten und wahrscheinlich die größte Volksmusikveranstaltung des Alpenraumes, den Alpenländischen Volksmusikwettbewerb. Hitzige Debatten und große Bedenken sind vorausgegangen. Aber der Erfolg hat Josef Sulz Recht gegeben. (In diesem Heft wird darüber berichtet.)
1976 tritt Herma Haselsteiner als Obfrau zurück. Peter Moser, der schon einige Zeit sehr segensreich im ORF Landesstudio Tirol als Volksmusikreferent wirkt, folgt ihr nach. In Imst rufe ich die Tiroler Singwoche ins Leben. Auf meine Anregung wird auch das Mitteilungsblatt gsungen und gspielt herausgegeben. Ich übernehme auch die Schriftleitung bis 1981. Unsere Kassierin, Helga Frick, schreibt die Texte mit ihrer elektrischen Schreibmaschine. Gemeinsam mit Sepp Landmann werden die Aufsätze ausgeschnitten und zusammengeklebt. Hans Kelmer druckt die Blätter im Landhaus. Josef Strolz in Telfs heftet die Blätter zusammen und verschickt sie an die Mitglieder. Allmählich wird die Herstellung professioneller und Alfred Konrad, zuerst beim Blickpunkt Telfs, später selbständig, übernimmt die grafische Gestaltung. Bis 2003 ist Walter Pichler Schriftleiter. Er übergibt diese Aufgabe nach 22 Jahren an Joch Weißbacher. Inzwischen wurde in Südtirol im Jahr 1981 unser Bruderverein, der Südtiroler Volksmusikkreis gegründet, eine gute Zusammenarbeit beginnt.
Ebenfalls 1981 gründet Florian Pedarnig die Tiroler Musizierwoche, die sich neben der Singwoche in Imst zu den wichtigsten Fortbildungsveranstaltungen entwickelt.
Eine Fülle von Fortbildungsveranstaltungen folgt: Wochenendsingen, Singseminare, Gitarrekurse usw..
Wichtig für uns ist die Herausgabe von Volksmusiknoten. Wir versuchen, vor allem den reichen Schatz von Tiroler Volksliedern und Instrumentalstücken den Sängern und Musikanten zugänglich zu machen. Neben verschiedenen Liederbüchern entsteht die Reihe Tiroler Notenstandl, in der kürzlich das 14. Heft erschienen ist.
Eine besonders herausragende Ausgabe ist die Neuauflage der Tiroler Volsklieder von Franz Friedrich Kohl.
Die Zahl der Mitglieder steigt stetig, bis heute sind es ca. 1400.
Otto Ehrenstrasser übernimmt die Volksmusikausbildung am Tiroler Landeskonservatorium, für einen Teil seiner Arbeitszeit steht er als Volksmusikpfleger zur Verfügung. Viele junge Musikanten absolvieren das Konservatorium und sind dann wichtige Multiplikatoren für die Volksmusik in den Musikschulen.
Nach dem Peter Moser nach 10 Jahren seine Obmannschaft zurücklegt, übernimmt Sepp Landmann dieses Amt. Es wird versucht, alle volksmusikalisch tätigen Kräfte des Landes zusammenzufassen. So ist der Vorstand eine hochkarätige Gemeinschaft von Volksmusikpflegern, aktiven Musikern und beratenden Mitgliedern. Um noch näher an unsere Mitglieder in den Bezirken des Landes heranzukommen, werden die Bezirksvertreter eingeführt.
Im Jahr 1992 darf ich die Obmannschaft übernehmen, gleichzeitig auch die Leitung des Alpenländischen Volksmusikwettbewerbs. Eine große Menge an Verantwortung und Arbeit kommt auf mich zu. Bisher habe ich die Singwoche in Imst und die regelmäßigen Volkstanzkurse in Innsbruck geleitet. Die Arbeit macht aber Freude, weil man im ganzen Land die Früchte unserer Tätigkeit sehen kann. Außerdem funktioniert die Zusammenarbeit unter den Vorstandsmitgliedern bestens.
Was uns noch nicht geglückt ist, ist die Einrichtung eines hauptamtlichen Volksmusikpflegers, der vom Land Tirol installiert wird und neben den vielen ehrenamtlichen Helfern die Volksmusik weiterbringen soll.
Worauf ich stolz bin, ist der gute Zusammenhalt in unserer großen Volksmusikfamilie. Alle ziehen an einem Strang und haben das gleiche Ziel: unsere Volksmusik hinüberzutragen in die nächste Generation.
Peter Reitmeir