Tiroler Volksmusikverein Titelbild

Tiroler Volksharfe

Geschichte

Harfen gehören zu den ältesten Instrumenten. Schon in der Vorzeit entwickelte sich ausdem Musikbogen die Bogenharfe , die dann auch bei antiken Hochkulturen, wie z.B. Ägypten anzutreffen ist. Im Mittelalter wird die Rahmenharfe zum vorherrschenden Typus, welcher heute noch in ähnlicher Form als keltische Harfe in Irland, Schottland und in der Bretagne sehr verbreitet ist.

Die diatonische Stimmung (die Saiten sind nach einer Tonleiter gestimmt) ermöglichte ursprünglich nur das Spielen in einer Tonart. Erst mit der Erfindung der Tiroler Hakenharfe in der 2.Hälfte des 17. Jahrhunderts, bei der drehbare Haken am oberen Saitenende mit der Hand umgelegt werden, um die Saiten zu verkürzen und damit um einen Halbton zu erhöhen, konnte dieses Problem gelöst werden. Ein Umstimmen, ohne das Spiel zu unterbrechen, wurde erst durch die von Jacob Hochbrucker um 1720 in Donauwörth erfundene Pedalharfe möglich.Sie hatte schon 7 Pedale und war, wie die heutige Tiroler Volksharfe in Es-dur ge-stimmt.

Bau

Resonanzkörper mit Schalldecke und Säule werden aus Fichtenholz hergestellt, Hals, Fuß und Pedale aus Ahorn. Im Hals befindet sich die Mechanik. Sie überträgt die Pedalbewegungen mit Hilfe von Stahlseilzügen auf die Haken bzw. Drehscheiben am oberen Saitenende und bewirkt die Erhöhung um jeweils einen Halbton.

Stimmung und Funktion der Pedale

Die 36 bis 39 Saiten waren ursprünglich aus Darm, heute sind sie meistens aus Kunststoff (Nylon), Tonumfang ca. 5 Oktaven (Kontra-B bis b3 ). Die Tiroler Harfe ist eine einfache Pedalharfe (vgl. Doppelpedalharfe oder Konzertharfe). Um andere Tonarten als Es-dur zu spielen, werden mit Hilfe der Pedale die jeweils gleichnamigen Saiten um einen Halbton erhöht:
Das 1.Pedal erhöht As zu A, damit wird das dritte B von Es-dur aufgelöst, die Harfe ist nun in B-dur gestimmt. In gleicher Weise erhöht das 2.Pedal alle Es zu E, nun kann in F-dur gespielt werden, etc.. Wenn alle Pedale eingetreten sind, sind auch alle Saiten um einen Halbton erhöht, die Harfe ist nun in E-dur gestimmt. So sind im Quintenzirkel alle Tonarten von Es bis E-dur möglich (8 Tonarten).

Spielweise

Die vier Finger der rechten Hand (ohne Kleinen Finger) spielen in der höheren Lage die Melodie, wobei bevorzugt Dreiklangszerlegungen verwendet werden. Akkorde werden gerne im „Arpeggio“ (sprich: arpedscho = harfenartig)) angeschlagen, wobei die Saiten, beginnend mit der tiefsten Saite des Akkords, kurz hintereinander gezupft werden.
Die linke Hand dient zur Begleitung. Dabei spielen Ring-und Mittelfinger die Bässe, die übrigen Finger die nachschlagenden Akkorde.

Verwendung

Da man Melodie und Begleitung zugleich spielen kann, ist die Tiroler Volksharfe ein beliebtes Soloinstrument. Sie eignet sich aber auch für das Zusammenspiel mit einer zweiten Harfe oder mit anderen Saiteninstrumenten, wie Zither, Hackbrett, Gitarre, Baßgeige etc. (Stubenmusik). Sie ist aber auch ein verzügliches Begleitinstrument zum Liedgesang sowie zu einer Tanzmusik. Zu Geigen, Klarinetten oder auch Blechbläsern (Flügelhorn oder Trompete) wird sie wegen ihres kräftigen Klanges gerne als Rhythmus- und Akkordinstrument verwendet.

Verbreitung

Ursprünglich war die Tiroler Volksharfe vor allem im Unterinntal und dessen Seitentälern, besonders im Zillertal, verbreitet, heute ist sie im ganzen Alpenraum ein viel gespieltes Instrument.

Peter Reitmeir