Tiroler Volksmusikverein Titelbild

Die Gitarre in der Volksmusik

Die Gitarre kam im Mittelalter über den arabischen Raum nach Spanien und hatte dort im 16. Jahrhundert ihre erste Blütezeit. Von Spanien aus verbreitete sie sich in ganz Europa und über die spanischen und portugiesischen Seefahrer auch nach Amerika.

Bauweise und Stimmung, Notation

Die Gitarre unterscheidet sich von anderen Saiteninstrumenten vor allem durch ihren achterförmigen Korpus (Schallkörper). Anfangs mit vier, später fünf Doppelsaiten bespannt, wurde die Gitarre ab etwa 1800 mit sechs Einzelsaiten in der bis heute üblichen Stimmung E A d g h e gespielt. (Merkhilfe: Ein Anfänger der Gitarre hat Eifer) Seit etwa 1800 ist die Notierung im oktavierenden Violinschlüssel gebräuchlich (d.h. die Gitarre klingt eine Oktave tiefer als notiert), zuvor wurden verschiedene Griffschriften (Tabulaturen) verwendet.

Verwendung und Besetzungen

Schon seit den ersten Aufzeichnungen von Gitarrenmusik im
16. Jahrhundert waren Akkordspiel und Melodiespiel nebeneinander üblich.
In der alpenländischen Volksmusik wird die Gitarre heute vor allem als Begleitinstrument zum Gesang und in verschiedensten instrumentalen Besetzungen verwendet.
Sehr beliebt sind auch das Gitarrenduo -  Melodiespiel in Doppelgriffen mit Akkordbegleitung - und Gitarrentrio (dasselbe mit einer dritten Gitarre als Gegenstimme).
Die Gitarre war seit eh und je in besonderem Maße ein Volksmusikinstrument: in Spanien, im angloamerikanischen und wohl am meisten im lateinamerikanischen Raum. Auch in der alpenländischen Volksmusik wird die Gitarre seit zweihundert Jahren sowohl als Melodieinstrument als auch zum Begleiten einge-setzt. Durch die Möglichkeit des mehrstimmigen Spiels eroberte sich die Gitarre auch einen Platz in der Kunstmusik. Berühmte Gitarre-Komponisten waren Gaspar Sanz (Spanien, 17. Jahrhundert), Mauro Giuliani (Italien/Österreich) und Fernando Sor (Spanien, Frankreich, England) im 19.Jahrhundert, sowie Francisco Tarrega (Spanien), Heitor Villa-Lobos (Brasilien) und Agustin Barrios-Mangoré (Paraguay) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Der wichtigste Gitarrist bzw. Komponist der Gegenwart ist Leo Brouwer (Kuba).

Besonderes

Eine Abart, die Bass- oder Kontragitarre (mit bis zu 12 freischwingenden Basssaiten) findet vor allem in der Wiener Schrammelmusik Verwendung.

Im Tiroler Unterland wurde früher häufig mit umgestimmten Saiten gespielt, um zweistimmige Melodie und Bass gleichzeitig anschlagen zu können. Diese originelle, auch unter dem Namen Zigeunerstimmung bekannte solistische Spielweise ist allerdings im Verschwinden begriffen.

Stefan Hackl

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